Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.
Ihr Lieben, ich lade euch ein, die Gesangbücher aufzuschlagen auf der Seite 1274. In unregelmäßigen Abständen werde ich hier zum Thema “Abendmahl” einige kurze Katechismus-Predigten halten. Heute eben zur ersten Abendmahlsfrage:
Was ist das Sakrament des Altars?
Es ist der wahre Leib und Blut unsers Herrn Jesus Christus, unter dem Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken von Christus selbst eingesetzt.
Wo steht das Geschrieben?
So schreiben die heiligen Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und der Apostel Paulus:
Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden; solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.
Kurzer Rückblick: Martin Luther verfasst den Katechismus im Jahre 1529, nachdem er auf Visitationsreise durch Sachsen entsetzt feststellen musste, dass viele Menschen die Grundlagen des christlichen Glaubens und der reformatorischen Lehre nur sehr lückenhaft kannten. Und so verfasst er den Kleinen und den Großen Katechismus – den Großen vor allem für die Hausväter und Pastoren (die übrigens auch keine Ahnung hatten!) als Hilfe zum Unterricht und als Grundlage für die Unterweisung der Familienangehörigen, und den Kleinen hauptsächlich für die Kinder, damit die Grundlagen gut übersichtlich und knapp zusammengefasst dargestellt sind.
Genau da befinden wir uns jetzt: Bei dieser kurzen, prägnanten Zusammenfassung. Luther beginnt gleich mit einer einfachen Frage: Was ist das Sakrament des Altars? Eine sogenannte „Definition.“ Womit haben wir es hier zu tun? Was ist eigentlich das Abendmahl?
Das klingt so einfach. Aber schnell wird klar, dass es alles andere als einfach ist. „Was ist das Sakrament des Altars? Es ist der wahre Leib und Blut unsers Herrn Jesus Christus…“
Lasst uns heute da kurz stehen bleiben. Es ist der wahre Leib und Blut unsers Herrn Jesus Christus. 1500 Jahre lang wurde dieses nicht (oder kaum) infrage gestellt. Man hat das geglaubt, was Jesus dort sagt: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut.“ Punkt.
Aber bereits kurz nach Beginn der Reformation kommen die ersten Anfragen: Wie kann das Christi Leib und Blut sein? Wie kann Christus da wirklich, also reell, gegenwärtig sein? Ist Christus nicht im Himmel, zur rechten Hand Gottes (wie wir am Himmelfahrtsfest gehört haben)? Wie kann er hier (und zeitgleich anderswo) im Abendmahl leibhaftig gegenwärtig sein? Wie geht das eigentlich? Meinte er das vielleicht nur symbolisch? Nach dem Motto: Das bedeutet mein Leib, das bedeutet mein Blut? Ist das nicht nur ein Hinweis auf Christus – aber nicht Christus selbst?
Diese Fragen werden heute noch gestellt – mehr denn je zuvor. Und tatsächlich, nach menschlichen Maßstäben und mit unserem bloßen Verstand müssen wir zugeben, dass die Fragen berechtigt sind. Wie kann Christus hier wahrhaftig gegenwärtig sein? Wie kann diese Hostie, wie kann dieser Wein Leib und Blut Christi sein?
Ihr Lieben, wenn wir versuchen, das zu verstehen, werden wir scheitern! Zwangsläufig! Aber Gott erwartet nicht von uns, dass wir das verstehen sollen. Er will, dass wir es glauben.
Und wir können und sollen das auch glauben, weil es Christus selbst ist, der diese Worte spricht: “Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird – trinkt, das ist mein Blut des neuen Testaments, welches für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.” Christus selbst spricht diese Worte!
Ich zitiere dazu aus der Konkordienformel, wo es heißt, dass es Christus ist, “der die ewige Wahrheit und Weisheit selbst und allmächtiger Gott ist, der gar wohl weiß, was und wie er reden kann und soll, und kann auch alles, was er redet und verheißt, kräftig ausrichten.”
Mit anderen Worten, wenn Jesus sagt „Das ist mein Leib, das ist mein Blut,“ dann meint er das so, und dann ist das auch wirklich sein Leib und sein Blut. Darum sind wir schuldig, diese Worte (ich zitiere wieder aus der Konkordienformel) „in ihrem eigentlichen, klaren Verstand mit einfältigem Glauben und schuldigen Gehorsam anzunehmen.“
Wie schön, dass von mir nicht verlangt wird, das verstehen zu müssen! Ich darf es glauben, und in diesem Glauben Vergebung der Sünden und ewiges Leben erhalten. Amen.
Wir beten:
Wenn auch mein Herz hier nicht versteht,
wie dein Leib an viel’ Orten
zugleich sein kann, und wies zugeht,
trau ich doch deinen Worten;
wie das sein kann, befehl ich dir,
an deinem Wort genüget mir,
dem will allein ich glauben.\
AMEN.
Pastor Roland C. Johannes,
Juni 2021