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Predigt zum 1. Sonntag nach Trinitatis

veröffentlicht am: 6.6.2021 by at https://selk-radevormwald.de/posts/20210606-predigt/

Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

Johannes 14, 23

Liebe Gemeinde,

wenn es bei euch so aussieht wie bei uns zuhause, dann hängen in der Wohnung Bilder an den Wänden. Bilder von Familie, von Freunden, von Augenblicken, die wir gern in Erinnerung behalten wollen. Urlaubsbilder zum Beispiel.

Vielleicht hängt dort auch ein Symbol – z.B. ein Kreuz oder ein Herz (oder eben viele Herzen!**. Manchmal – und das ist eine Entwicklung der letzten Jahre – auch einige nette Worte, wie z.B. aus 1. Korinther 13 „Glaube, Hoffnung, Liebe.“ Auch Leute, die man nicht unbedingt als Christen bezeichnen würde, haben plötzlich diese Dinge an der Wand hängen! „Glaube, Hoffnung, Liebe, Frieden, Jesus…“

Ich denke ihr werdet mir Recht geben, dass es ein großer Unterschied ist, ob ich jemandes Bild an der Wand hängen habe, oder ob diese Person bei mir im Hause wohnt. Ich meine, es ist schon was anderes die Schwiegermutter dort an der Wand zu haben, als wenn sie bei mir eingezogen ist!

Wenn Menschen bei uns einziehen, dann bringt das viel Veränderung für unser Leben mit sich. Es beeinflusst einfach alles! Die ganze Routine wird umgeschmissen, der Alltag auf den Kopf gestellt. Auch wenn Leute bloß ein oder zwei Nächte, vielleicht sogar eine Woche lang bleiben, es bedeutet immer eine Umstellung.

Und, egal wie tief die Freundschaft, egal wie eng die Verwandtschaft ist, es ist gut, wenn der Besuch nach einer Weile wieder geht. Dabei wird klar: wenn jemand auf Dauer einziehen möchte, dann wird das womöglich schwierig. Das muss man sich schon sehr gut überlegen.

Jesus spricht nicht davon, nur ein oder zwei Tage bei dir einkehren zu wollen. Nein, er spricht davon, dass er, zusammen mit dem Vater, zu dir kommen und Wohnung bei dir nehmen will. Er sagt: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“ Mein Vater und ich, wir werden kommen, unsere Koffer und unsere Sachen mitbringen und wir werden bei dir einziehen. Wir wollen bei dir wohnen, nicht nur ein oder zwei Tage oder gar eine Woche lang – nein, für immer! Es ist einfacher, jemanden dort an der Wand hängen zu haben, richtig? Du kannst die Person ansehen, wann immer du magst. Du kannst an sie denken, wenn du zufällig dort vorbeigehst. Dort sind sie dir nicht ständig im Wege – sie hängen ja so schön an der Wand! Dort sind sie dir keine Last. Du kannst dein Leben wie gewohnt weiterführen, ohne Umstellung, ohne unnötige Mühen.

Aber Jesus ist daran nicht interessiert. Er ist nicht daran interessiert, solch eine Beziehung mit dir einzugehen. Er möchte etwas Bleibendes, etwas Konkretes, ja man könnte fast sagen: etwas Ungemütlicheres. Er plant nämlich zu bleiben. Er will nicht nur ein Bild oder ein Symbol oder ein nettes Wort an deiner Wand sein. Er will viel, viel mehr sein. Sind wir doch mal ehrlich: das ist nicht unbedingt die Beziehung, die unser sündiges Gewissen mit Jesus haben will, oder? Unser Gewissen will haben, dass er schön dort an der Wand hängen bleibt. Wo er uns keine Probleme macht. Wo er nicht so genau hinguckt, was ich da alles so mache. Das ist viel einfacher, viel unkomplizierter.

Gucken wir doch mal genauer hin: Was bedeuten denn diese netten Worte „Glaube, Hoffnung, Liebe“? Was bedeutet das Herz, welches du dort hängen hast, direkt neben dem Kreuz? Bitte nicht falsch verstehen: Du darfst diese Sachen dort hängen haben – bei mir hängt auch ein Kreuz im Büro. Versteh dabei aber, worum es eigentlich geht, wo das hindeuten möchte: Es geht nicht um ein nettes und schönes aber eben unverbindliches Verhältnis, eines wo du dich hinwenden kannst, wenn du das Bedürfnis hast, eine Beziehung ganz nach deinen eigenen, sentimentalen Vorstellungen. Nein! Es geht um eine Beziehung, die tief und bedeutungsvoll ist, eine Beziehung, die auf dem festen Fundament des Wortes Gottes aufgebaut ist.

Jesus sagt: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten. Anders gesagt: Wer mich liebt, der wird die Heilige Schrift, der wird die Bibel, in Ehren halten. Der wird sich daran halten, wird dem treu bleiben. Dein Verhältnis zu Christus ist nicht unverbindlich und beliebig und von Emotionen abhängig – mal so, mal so! Und es kommt schon gar nicht auf das fromme Gefühl an. Nein, dieses Verhältnis ist auf dem sicheren Grund der Heiligen Schrift aufgebaut. Das ist sozusagen das Fundament des Ganzen! Und diese Beziehung zu Christus wird gestärkt und vertieft im Heiligen Abendmahl – dem Ort, wo der Schöpfer des Himmels und der Erden für dich greifbar wird. Der Ort, wo er sich mit dir vereint und Wohnung bei dir nimmt. Der Ort, wo dir Glauben geschenkt wird, wo du die Einsicht bekommst, dieses schöne und nette Wort „Liebe“ richtig einzuordnen und zu verstehen! Wo du lernst was „Glaube“, was „Hoffnung“ eigentlich bedeuten.

Lieber Bruder, liebe Schwester, das ist die Beziehung, die du zu Jesus brauchst! Das ist die Beziehung, die du brauchst in dieser Welt, die immer unzuverlässiger und unbeständiger, die immer beliebiger und unverbindlicher wird. Eine Welt, die das Wort Gottes nicht liebt. Eine Welt, in der es immer schwieriger wird, die Bibel als das wahre Wort Gottes zu verkündigen. Eine Welt, die eigene Maßstäbe setzt und die Maßstäbe Gottes verleugnet. Eine Welt, in der es immer schwieriger wird, gegen den Strom zu schwimmen.

Wer mich liebt, der wird mein Wort halten. Wir sehen tagtäglich was passiert, wenn Jesus bloß an der Wand hängen bleibt. Was hilft dir in dieser gottlosen Welt ein Jesus, der in Gedanken an der Wand hängen geblieben ist? Was bedeuten „Glaube“, „Hoffnung“, „Liebe“, „Frieden“ – diese schönen Worte, die du da vielleicht hängen hast, in dieser Situation?

In diesen unruhigen und unbeständigen Zeiten brauchst du einen Jesus, der feststeht, der die Wahrheit verkündigt, der da ist, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche! Ein Jesus, der dir sagt: „Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht“. Ein Jesus, der viel mehr ist als nur ein warmes und wohliges Gefühl. Der dir mehr bietet als eine liebevolle Umarmung dann, wenn du meinst sie nötig zu haben. Ein Jesus, der mit dir eine echte, innige und ewige Beziehung führen möchte. Ein Jesus, der bei dir einzieht, um zu bleiben.

O Heilger Geist, kehr bei uns ein und lass uns deine Wohnung sein. Bleibe bei uns! Sei mehr als nur ein Bild oder ein Symbol an meiner Wand – nein, komm und wohne hier; schmeiß alles um, mach alles neu! Sei da, auch wenn mein sündiges Fleisch dich nicht da haben will! Sei da, auch wenn es mir manchmal zu viel erscheint! Auch, wenn es ungemütlich wird! Bleib! Amen.

Wir beten: Dir öffn ich, Jesu, meine Tür,
ach komm und wohne du bei mir;
treib all Unreinigkeit hinaus
aus deinem Tempel, deinem Haus. AMEN.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.

Pastor Roland C. Johannes,
Juni 2021

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