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Predigt zum Sonntag Lätare

veröffentlicht am: 14.3.2021 by at https://selk-radevormwald.de/posts/20210314-predigt/

Als Jesus das geredet hatte, ging er hinaus mit seinen Jüngern über den Bach Kidron; da war ein Garten, in den gingen er und seine Jünger. Judas aber, der ihn verriet, kannte den Ort auch, denn Jesus versammelte sich oft dort mit seinen Jüngern. Als nun Judas die Schar der Soldaten mit sich genommen hatte und Knechte der Hohenpriester und Pharisäer, kommt er dahin mit Fackeln, Lampen und mit Waffen. Da nun Jesus alles wusste, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesus von Nazareth. Er spricht zu ihnen: Ich bin’s! Judas aber, der ihn verriet, stand auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin’s!, wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermals: Wen sucht ihr? Sie aber sprachen: Jesus von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt: Ich bin’s. Sucht ihr mich, so lasst diese gehen! Damit sollte das Wort erfüllt werden, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. Nun hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat? Die Schar aber und ihr Oberst und die Knechte der Juden nahmen Jesus und banden ihn.

Johannes 18, 1-12

“Wo ist Gott?”

Ihr Lieben,

wir haben in den letzten Wochen gehört, dass Gott oftmals dort zu finden ist, wo man ihn nicht erwarten würde. Nicht in Macht, nicht in Herrlichkeit, nicht siegreich. Nein: Auf einem Esel, demütig. Im Garten, betend. Und heute: verhaftet!

Klingt absurd, oder? Gott – verhaftet? Als ob wir arme und bedeutungslose Menschen den Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, der alles in der Hand hat, der uns alles schenkt, was wir zum Leben brauchen, der Gott, der eines Tages kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten – als ob wir diesen Gott verhaften könnten! Wie lächerlich, dass wir den festnehmen, der uns die Freiheit schenkt! Aber genau das passiert hier: Jesus, der Sohn des lebendigen Gottes, der ja Gott selbst ist, wird gebunden, wird verhaftet und vor Gericht geführt.

Dabei müssen wir folgendes bedenken: Das passiert alles nur, weil Jesus es auch zulässt. Wie einfach wäre es doch für ihn, die Bande zu sprengen! Wie einfach wäre es doch für den, der den Sturm und die Wellen gestillt hat, mit nur einem Wort seine Gegner zu vernichten. Oder, wie er es selbst sagt:

Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, und er würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken? (Mt 26).

Aber nein, Jesus lässt es zu. Er verzichtet auf Macht und lässt sich verhaften. So, wie der Vater es geplant hatte. Er wird diesen Kelch trinken, damit die seinen das nicht müssen.

Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast.

Das soll uns eine Lehre sein: Wahre Freiheit bedeutet, sich dem Willen Gottes zu unterwerfen. Wahre Freiheit bedeutet, für andere da zu sein. Wahre Freiheit bedeutet, die eigene, vermeintliche Freiheit zu verleugnen.

Wenn ich das richtig sehe, dann meinen wir oft, dass Freiheit - wahre Freiheit - darin besteht, dass ich selbst bestimmen kann, was ich mache. Dass ich selbst über mein Leben verfüge. Dass ich die einzige moralische Instanz bin. Dass niemand sonst mir zu sagen hat, wie ich mein Leben führen soll.

Aber, wenn ich ehrlich bin, dann sehe ich, dass ich dann, wenn ich solch eine Freiheit in Anspruch nehme, eigentlich nur sündigen will. Wenn ich alle Freiheit habe, dann entscheide ich mich nicht für das Gute, sondern für die Sünde. Paulus nennt uns „Sklaven der Sünde“ – und genau das sind wir auch.

Er schreibt dazu in Römer 7:

Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.

Wo bleibt da die vermeintliche Freiheit? Ihr Lieben, ihr könnt euch vorstellen, dass der moderne, der aufgeklärte Mensch, das ganz und gar nicht hören mag! Wir sind doch voll in Ordnung so wie wir sind, oder? Nein, sind wir eben nicht…

Jesus kommt in diese Welt, lässt sich freiwillig seiner Freiheit berauben, unterwirft sich dem Willen des Vaters („Dein Wille geschehe!“** um uns zu befreien! Um uns von der Sklaverei der Sünde zu lösen! Um uns Freiheit zu schenken!

Wo ist Gott? Er ist dort am Werk, wo wir ihn am meisten brauchen. Dort, wo er uns von Sünde befreit. Dort, wo er uns Vergebung und Frieden bringt. Dort, wo er uns Freiheit schenkt. Und das geschieht tatsächlich nicht in Macht und Herrlichkeit, sondern in Gefangenschaft.

Wo du meinst, dass du mit deiner Freiheit nicht zurechtkommst, wo du merkst, dass du eben nicht frei, sondern vielmehr Sklave der Sünde bist, wo du an deine Grenzen kommst, da wirst du heute morgen daran erinnert, dass der Sohn Gottes sich freiwillig verhaften lässt, damit du wirklich frei bist. Weil auch für dich gilt, was Jesus im Garten Gethsemane gesagt hat:

Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast.

Keinen! Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Pastor Roland C. Johannes,
März 2021

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