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Predigt zum drittletzten Sonntag im Kirchenjahr - mit Audiodatei

veröffentlicht am: 7.11.2020 by at https://selk-radevormwald.de/posts/20201108-predigt/

Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es!, oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da!, oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach! Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein.

Lukas 17, 20-24

Liebe Gemeinde,

Das hier, das hier ist eines meiner wichtigsten Werkzeuge. Mein Kalender. In meinem Kalender steht ganz viel drin. Alle Termine, die ich weiß, habe ich aufgeschrieben, damit ich weiß, wann ich wo sein muss. Da steht auch drin, wann ich Urlaub habe und wann Weihnachten ist. Termine sind uns Menschen wichtig. Wir müssen uns ja auch zum Beispiel auf einen Zeitpunkt festlegen, an dem wir uns treffen wollen, sonst besteht die Gefahr, dass wir uns verpassen.

Ja, Termine sind uns Menschen wichtig, die Frage nach dem wann ist uns wichtig. So war es auch für die Pharisäer, von denen uns Lukas schreibt. Wann? So fragen sie Jesus: Wann kommt das Reich Gottes? Ja, wann ist es denn soweit? Wann kommt es endlich, dieses Reich Gottes, in dem wir endlich befreit werden von der weltlichen Herrschern, die uns unterdrücken und Er, Gott selbst auf dem Thron sitzt um sein Reich zu regieren? Wann ist es endlich soweit? Wie nah ist mir doch diese Frage nach dem wann auch. Wann ist dies und wann jenes.

Ja und wann kommt eigentlich das Reich Gottes? Wenn wir uns umschauen, dann sehen wir die Not, die es in unserer Welt gibt. Ja wir sehen wie Menschen ihre Heimat verlassen und eine neue suchen, wie sich Menschen gegenseitig töten, weil die einen die anderen hassen. Wir sehen wie Menschen und Kinder in aller Welt hungern und wenn ich das so alles sehe, dann drängt sich mir die Frage auf: wann kommt es denn endlich, das Reich Gottes. Ein Reich aus dem es keiner mehr fliehen muss, in sich niemand gegenseitig tötet, indem sich die Menschen nicht mehr hassen und nicht mehr hungern? Wann kommt endlich dieses Reich um das wir in jedem Vaterunser beten.

Wir brauchen aber gar nicht von uns weg zu schauen. Auch an uns entdecken wir immer wieder neu, wie kaputt und fern von Gott die Welt doch ist. Wir sind nämlich genauso fern von Gott, wie die Welt insgesamt, weil wir Teil dieser Welt sind. Wir schauen dauernd bloß auf uns selbst und sind verstrickt in unsere Sorgen um uns, unsere Familien und die Zukunft und planen was wir nächste Woche tun wollen oder in drei Monaten, was wir in fünf, in zehn und in zwanzig Jahren noch erleben und erreichen wollen. Und auch dann, wenn ich mich sehe, wie ich so ticke und erkenne, dass ich mich nur noch um mich drehe, dann kommt irgendwann die Frage: Wann kommt das Reich Gottes? Wann kommt Gott und erlöst uns Menschen aus diesem brüchigen Zustand?

Es ist schon verstörend wie Jesus auf diese Frage nach dem Wann antwortet. Er gibt nämlich keine Antwort darauf. Er verweigert sie, weil ein fragen nach dem Wann nicht zielführend ist. Er sagt den Pharisäern:

Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es!, oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Jesus sagt ihnen, das worauf ihr wartet, das ist schon hier und jetzt da. Aber so wie ihr es erwartet, so wird es nicht sein. Es wird keine Vorzeichen geben, die ihr sehen oder erkennen könnt. Nein, es ist sogar schon da, mitten unter euch.

Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch und ihr habt es noch nicht mitbekommen. Die Jünger, die die ganze Zeit mit Jesus unterwegs waren, die sind da klar im Vorteil. Die haben alles hautnah mitbekommen. Erst kürzlich haben sie miterlebt, wie Jesus mehrere Menschen auf einmal von ihrem Aussatz geheilt hat.

Doch auch von den Jüngern lesen wir immer wieder, dass sie seine Wunder, seine Heilungen und Dämonenaustreibungen nicht verstehen und einordnen können. Erst als Jesus Auferstanden ist, wird ihnen die Botschaft die Jesus sein Leben lang verkündet klarer: Das Reich Gottes ist im Anmarsch. Dieses Reich Gottes, das ist nicht so, wie man sich das vielleicht vorstellt. Es ist kein Gebiet, das wir eingrenzen, auf einer Landkarte einzeichnen und benennen können.

Jesus selbst erzählt von dem Reich Gottes in Gleichnissen und mit diesen Gleichnissen bringt er das Reich Gottes schon in die Welt hinein. Indem wir davon hören, wie das Reich Gottes ist, erleben wir schon einen Bruchteil dessen wie wunderbar und erstaunlich es wirklich ist und sein wird. Jesus erzählt, dass Gottes Reich wie ein Sauerteig, oder wie ein Senfkorn ist, wie ein Schatz im Acker und noch viele Gleichnisse mehr gibt er. Mit allen diesen Gleichnissen macht Jesus etwas von dem Reich Gottes schon erfahrbar, was mit ihm, mit Jesus selbst seinen Anfang nimmt.

Gott kommt in die Welt und er wird sie verändern. Gott kommt in die Welt. Er wird in Jesus Christus in einen Stall hineingeboren. Er wirkt in der Welt, indem er die Macht des Bösen überwindet. Er gibt sich in Jesus in die Welt und heilt Menschen, macht sie satt, treibt ihnen ihre Dämonen aus und besiegt selbst den Tod und nimmt ihm die Macht über das Leben ab. Er schenkt allen, die an ihn glauben das ewige Leben im Reich Gottes.

Und das ist heute genauso wie vor 2000 Jahren. Auch heute ist Gott in unserer Welt um zu wirken und um das zu lösen, was ohne ihn nicht gelöst werden kann. Dort wo wir Menschen verstrickt sind in unsere scheinbar unentrinnbare Gottesferne. Wo wir glauben, dass wir unsere Zukunft so planen können, wie wir es für richtig halten, weil wir verdrängen, dass wir im letzten nicht über unser Leben entscheiden können.

Dort, wo wir wie selbstverständlich davon ausgehen, dass wir noch einige Jahre oder Jahrzehnte vor uns haben, aber immer wieder erleben müssen, dass uns unsere Pläne förmlich auf die eigenen Füße fallen und unsere Träume platzen. Dort, wo wir darunter leiden, wie unter vielen anderen Erlebnissen und Umständen in dieser Welt auch. Dort entfernen wir uns immer weiter von Gott, indem wir an uns selbst zuerst denken und uns immer wieder nur um uns selber drehen und die Lösung bei uns selbst suchen.

Wir verstricken uns darin, dass wir anderen nicht vertrauen können, dass wir manchmal uns und manchmal andere aufgeben. Darin, dass wir unseren schlechten Gewohnheiten einfach nicht entkommen. Aber aus all diesen Verstrickungen löst Gott uns heraus, indem er uns annimmt, uns vergibt und uns den Blick jedes Mal wieder neu auf den richtet, der für uns gelitten hat. Er richtet unsere Augen auf den, der ein Stück vom Himmel ist, ein Stück vom Reich Gottes hier in der Welt.

An uns und in uns wird jedes Mal wieder neu ein Stück von diesem Reich Gottes gebaut, wo wir sein Wort hören, an seinen Altar treten und seine Vergebung empfangen oder seinen Leib essen und sein Blut trinken. Denn damit löst er uns von unseren Stricken und Verstrickungen. Es verdeutlicht und bestärkt das, was schon lange in uns besteht. Gott ist in uns eingezogen in unserer Taufe und hat damit sich selbst als Grundstein für den Bau seines Reiches auch in uns begonnen und er baut es in uns auch weiter.

Dass Gott uns annimmt und vergibt, uns aus unseren Verstrickungen löst, das ist nicht bloß ein Zeichen des kommenden Reiches Gottes. Es ist das Kommen selbst. So, als würden Blumen Knospen ansetzen zu dieser Jahreszeit, in der es gar nicht dran ist, dass Blumen Knospen ansetzen, weil es viel zu kalt und zu dunkel ist um uns herum. Aber es sind bloß erst Knospen, die volle Blüte steht noch aus. Aber die Blüte wird auch noch kommen und dann wird es wunderbar werden, weil das, was uns hier auf dieser Seite der Ewigkeit unser Leben manchmal schwer macht, nicht mehr sein wird.

Es wird niemand mehr aus seiner Heimat fliehen müssen, niemand wird mehr einen anderen töten, niemand mehr den anderen hassen, keiner wird noch hungern, keine Verstrickungen in uns selbst und auch kein Leid mehr, sondern wir werden getröstet, alle unsere Tränen werden getrocknet und abgewischt und himmlische Freude wird sein.

Paulus schreibt einmal ganz wunderbar wie er sich das vorstellt, wie großartig das sein wird wenn das Reich Gottes da ist. In einem Brief schreibt er an die Römer (8,18):

Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Alles Leid, das du in dieser Welt erleiden musstest und noch erleiden wirst wird gar nicht ins Gewicht fallen, so unermesslich groß wird die Herrlichkeit sein, die wir erleben werden. Was für eine beeindruckende Aussicht, gerade und insbesondere jetzt.

Wann das kommen wird, wann sein Reich zur Vollendung gebracht wird, das ist eine Frage auf die es keine Antwort gibt, die wir im Voraus erhalten werden. In meinem Kalender wird dieser Tag der Vollendung also nicht stehen obwohl da sonst alle wichtigen Termine für mich drin stehen, damit ich nichts vergesse oder verpasse.

Aber dieser Tag wird da niemals stehen und das ist auch in Ordnung so, denn Jesus selbst sagt ja, dass wir diesen Tag nicht verpassen können, denn er wird zwar plötzlich wie ein Blitz kommen aber auch so, dass er über den ganzen Himmel zu erkennen und damit gar nicht zu übersehen sein wird. Wird das eine himmlische Freude. Gott sei Lob und Dank dafür! AMEN.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.

Pastor Florian Reinecke,
November 2020

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