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Predigt zum 6. Sonntag nach Trinitatis - mit Audiodatei

veröffentlicht am: 19.7.2020 by at https://selk-radevormwald.de/posts/20200719-predigt/

Christus spricht: „Und siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Matthäus 28

Liebe Gemeinde,

Es gibt Fragen, die mag keiner so richtig stellen. Themen, die keiner ansprechen möchte. Inhalte, die ungemütlich sind und denen man am liebsten aus dem Weg gehen möchte.

In diesen Tagen und Monaten erlebe ich das immer wieder mit der Frage nach der Corona-Pandemie. Warum muss das alles passieren? Kommt es von Gott? Oder hat Gott es etwa nur zugelassen? Wer ist der Urheber des Virus? Will Gott uns mit der Corona-Pandemie etwas sagen? Ist es gar eine Strafe Gottes?

Nun, ihr Lieben, dass es sich hier um eine Strafe Gottes handelt, das kann nur jemand behaupten, der meint, zu Gott einen direkten Draht zu haben! Mit anderen Worten: Niemand weiß es!

Ich bin selbst von diesen Fragen verunsichert! Aber vor einigen Tagen bin ich über einen Bibelabschnitt gestolpert, aus Lukas 13. Da lesen wir, dass Jesus in einer ähnlichen Situation solche heiklen Fragen ganz einfach abblockt. Dort hat es wohl in Jerusalem einige tragische Ereignisse und Todesfälle gegeben, und die Leute wollten nun wissen, ob es sich dabei um eine Strafe Gottes handelt.

2 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer mehr gesündigt haben als alle andern Galiläer, weil sie das erlitten haben? 3 Ich sage euch: Nein. […] 4 Oder meint ihr, dass die achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen sind als alle andern Menschen, die in Jerusalem wohnen? 5 Ich sage euch: Nein.

Ziemlich eindeutig, oder? Nur weil einem etwas schlimmes zustößt , bedeutet das noch lange nicht, dass es sich dabei ganz konkret um eine Strafe Gottes handelt. Als hätten die Betroffenen es irgendwie verdient; als hätten sie etwas falsch gemacht, das jetzt gesühnt werden muss. Mit anderen Worten (für unsere Zeit übersetzt): Nur weil eine Pandemie über die Welt kommt, bedeutet das noch lange nicht, dass es sich dabei um eine Strafe Gottes handelt…

Bleibt trotzdem die Frage: Was soll das alles? Warum muss das passieren?

Jesus sagt zwar eindeutig und in aller Klarheit, dass die tragischen Ereignisse damals in Jerusalem nicht als Strafe zu verstehen sind. Aber, der Satz in Lukas 13 geht weiter:

„Nein; Sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.“

Wenn ihr nicht Buße tut. Mit anderen Worten: Macht euch jetzt keine weiteren Gedanken, warum und wie und wozu. Macht euch keine weiteren Gedanken darüber, warum die anderen sterben mussten, sondern denkt jetzt mal an euch! Guckt mal in den Spiegel! Schaut auf eure eigene Sünde - und tut Buße! Wenn nicht, werdet ihr auch umkommen, und zwar nicht nur zeitlich, sondern ewiglich!

Lieber Bruder, liebe Schwester, als Ruf zur Umkehr können und sollen wir diese Krise durchaus sehen – wie andere Krisen auch. Unser Leben ist zerbrechlich und es wird immer tödlich enden - sei es durch Corona, sei es durch Hunger, Krebs, steigenden Meeresspiegel oder Altersschwäche. Immer, so oder so. Da sind wir alle im selben Boot!

Und das wissen die Menschen normalerweise ja auch. Das wissen wir alle! Nur ist uns das seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr so richtig vor Augen geführt worden, zumindest nicht hier in Europa. 75 Jahre lang ging es weitgehend friedlich und vor allem gesund zu! Es ging uns gut! Nur jetzt, wo es ungemütlich wird, da drängen sich diese Fragen auf.

Wenn ihr nicht Buße tut,* sagt Jesus. Da sind wir jetzt dran! Da sind wir gefordert! Wir Christen haben auf diese Fragen tatsächlich eine Antwort! Wir haben eine Perspektive! Der christliche Glaube kennt zwar Krise, Panik und Tod, aber noch vielmehr Vergebung, Zuversicht und ewiges Leben! Der christliche Glaube weiß von den verborgenen und unverständlichen Seiten Gottes. Aber er kennt zugleich die andere Seite: Gott begegnet uns in Liebe, er begegnet uns in Christus!

Genau da liegt die Antwort auf unsere ungemütlichen Fragen! Wo Atheisten hilflos mit den Achseln zucken müssen angesichts von Leid, Sterben und Tod, da haben wir das Privileg, die Botschaft von der Erlösung durch Christus weiterzugeben! Wo die Welt ahnungslos zuschaut, da können wir hoffnungsvoll eingreifen!

Wir wissen nämlich gerade im Angesicht von Krise, Panik und Tod von Christus, der zu uns sagt: „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Trotz Krise, trotz Panik und Tod, ich bin bei euch.

Der Ruf zur Buße, der Ruf zur Umkehr ist ja nichts anderes, als dass wir in die offenen Arme Jesu rennen. Das wir uns dessen wieder vergewissern, dass dieser Jesus bei uns ist, wie er versprochen hat, und dass wir daher nichts zu befürchten haben – auch wenn es um uns herum manches zum Fürchten gibt.

Ja vielmehr noch: „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ – Christus spricht diesen Satz nicht einfach nur so, sondern er sagt uns das zu im Kontext der Taufe. Wir haben es soeben gehört: „Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“

Am heutigen 6. Sonntag nach Trinitatis, da werden wir - wieder einmal - daran erinnert, dass wir getauft sind. Wir werden daran erinnert, dass uns auf dem Kopf zugesprochen wurde, dass wir niemals allein sein werden!

Und je länger sich diese Corona-Krise hinzieht (und es wird jetzt wirklich lang), desto mehr müssen wir genau das hören! Je ungemütlicher die Fragen werden, desto mehr sollen wir uns das wieder ins Gedächtnis rufen: Ich bin ein getauftes Kind Gottes! Ich werde niemals allein sein! Christus hat mir ganz persönlich eben das versprochen: „Ich bin bei dir alle Tage, bis an der Welt Ende.“

Amen.

Pastor Roland C. Johannes,
Juli 2020

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