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Predigt zum Trinitatisfest - mit Audiodatei

veröffentlicht am: 7.6.2020 by at https://selk-radevormwald.de/posts/20200607-predigt/

33 O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! 34 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13) 35 Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm vergelten müsste«? (Hiob 41,3) 36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge.

Römer, Kapitel 11

Liebe Gemeinde,

Trinitatis. Trinität. Die heilige Dreieinigkeit. Die heilige Dreifaltigkeit. Ein Gott in drei Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wie wir es vorhin im Introitus gehört haben: „Hochgelobt sei die heilige Dreifaltigkeit und ungeteilte Einigkeit.“

Tatsächlich ist das ein hochkomplexes und auch recht sperriges Thema. Vielleicht fragst du dich, was denn die Trinität eigentlich für dich bedeutet? Ist das nicht etwas, worüber sich Theologen im Elfenbeinturm Gedanken machen? Ist das nicht ein Themenfeld, das für die Meisten doch eher „unbegreiflich“ und „unerforschlich“ ist und bleibt? Ist es nicht Tatsache, dass selbst gläubige Christen mit der Idee der Trinität nicht viel anfangen können?

Was soll das also?

Als Martin Luther sich 1528 auf Visitationsreise durch Kirchgemeinden in Sachsen befand, erkannte er, dass weder die sogenannten Laien noch die Priester wirklich Ahnung vom christlichen Glauben hatten. Entsetzt muss er feststellen, dass selbst das Wissen über elementare Aspekte der christlichen Lehre nur sehr lückenhaft vorhanden war.

Und so verfasst Luther 1529 den Großen und den Kleinen Katechismus – als Grundlage der biblisch-lutherischen Lehre. Der Kleine Katechismus ist sozusagen das Herzstück der Lutherischen Bekenntnisschriften – bis heute ist er von großer und zentraler Bedeutung (und leider auch vielerorts sträflich vernachlässigt!).

Im Katechismus kommt gleich im 2. Hauptstück das Apostolische Glaubensbekenntnis dran. In drei Teilen: „Von der Schöpfung“, „Von der Erlösung“, „Von der Heiligung“. Ihr ahnt es bereits: Luther erklärt uns die Trinität, die wir ja im Glaubensbekenntnis aufzählen (ich glaube an Gott den Vater / und an Jesus Christus / Ich glaube an den Heiligen Geist); Luther erklärt uns diese Trinität, indem er aufzeigt, wie diese drei Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist, an uns wirken. Was sie für uns getan haben. Was sie für uns persönlich bedeuten. Er erklärt sie anhand ihrer Funktion.

Ich möchte das einmal kurz vorführen:

Erstens: Gott der Vater ist unser Schöpfer. Luther sagt: „Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat, samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter…“

Gott der Vater, die erste Person der Trinität, ist unser Schöpfer. Er ist mein Schöpfer (Luther betont das immer wieder, indem er in der ersten Person Singular redet!). Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat. Und das er mich reichlich versorgt, behütet, bewahrt. „Und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ihn all mein Verdienst und Würdigkeit.“ Gott der Vater ist der Schöpfer.

Zweitens: Der Sohn Jesus Christus ist unser Erlöser. Luther sagt: „Ich glaube, dass Jesus Christus, […] sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben.“

Die Schöpfung, die der Vater so perfekt hergestellt hatte, war durch die Sünde verdorben. Sie konnte sich selbst nicht retten. Und so schickt der Vater den Sohn, um das zu erledigen. Um mich verlornen und verdammten Menschen zu erlösen. Das ist die Funktion des Sohnes, der zweiten Person der Trinität.

Und drittens: Der Heilige Geist heiligt uns. Dazu nochmal Luther: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herren, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten.“

Von uns aus können wir nicht erkennen, dass wir Christus als unseren Erlöser brauchen. Wir können vielleicht noch erkennen, dass es einen Gott gibt, wenn wir die Schöpfung betrachten und darüber staunen, wie wunderbar diese Welt doch ist. Aber, das reicht nicht aus. Wir können von uns aus nicht erkennen, dass wir verlorene und verdammte Menschen sind. Ganz im Gegenteil: Wir wehren uns aktiv gegen diese Vorstellung!

Aber es ist der Heilige Geist, der uns die Augen dafür öffnet, dass wir verloren sind und die Erlösung durch Christus brauchen. Es ist der Heilige Geist, der uns den Glauben schenkt und erhält. „Gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiliget und bei Jesus Christus erhält im rechten einigen Glauben.“ Es ist der Heilige Geist, der uns tröstet, da wo das Leben schwer wird, wo wir verzweifelt sind, wo wir keinen Sinn mehr erkennen. Es ist der Heilige Geist, der uns den Blick für die Ewigkeit wachhält.

Ihr Lieben, vielleicht wird das mit der Trinität jetzt etwas deutlicher. Vielleicht merkt ihr, dass das eben keine hochphilosophischen Überlegungen und Gedanken sind, sondern dass die Trinität für mich ganz persönlich und ganz konkret von großer Bedeutung ist! Darum das heutige Trinitatisfest: Gott hat mich geschaffen; aus Liebe schickt er seinen Sohn mich zu erlösen; und er stellt mir den Heiligen Geist als Tröster und Wegbegleiter zur Seite. Damit ich „samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben“ bekommen werde, wie Luther das so schön beschreibt!

Und dennoch: Können wir das verstehen? Können wir das vollkommen begreifen? Trinitatis? Trinität? Die heilige Dreieinigkeit? Die heilige Dreifaltigkeit? Ein Gott in drei Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist?

Nein. Können wir nicht. Wie Paulus schreibt: Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!

Das, ihr Lieben, soll uns heute aber nicht ins Grübeln bringen, sondern es soll uns trösten und erfreuen! Dass der Gott, der so groß und wunderbar ist, dass wir ihn nicht begreifen können – dass dieser Gott mich ganz persönlich liebt und so vieles auf sich nimmt, damit ich (ganz persönlich** gerettet werde!

36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Pastor Roland C. Johannes,
Juni 2020

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