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Predigt zum Sonntag Misericordias Domini

veröffentlicht am: 25.4.2020 by at https://selk-radevormwald.de/posts/20200425-predigt/

Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

*1. Petrus 2, Vers 25*

Liebe Gemeinde,

In meiner südafrikanischen Heimat gibt es Störche, die jedes Jahr zum Sommer dort eintreffen. Wenige Kilometer von meinem Elternhaus entfernt gibt es eine ganze Kolonie. Einige dieser Störche – das haben Wissenschaftler an den Ringen ablesen können – kommen aus Hermannsburg in der Lüneburger Heide, wo meine Vorfahren herkamen. Wir fanden das immer sehr beeindruckend und bewegend, dass diese Vögel exakt aus der Heimat unserer Vorfahren von Deutschland nach Südafrika geflogen sind, bis quasi direkt vor unsere Haustür, und das jährlich!

Noch beeindruckender ist, dass sie die knapp 10.000 Kilometer ganz ohne GPS, ohne Navigationsgerät, zurücklegen. Dass sie sich so gut orientieren können und exakt am gleichen Ort landen, Jahr für Jahr. Nicht nur Störche können das. Es gibt viele Tiere, die einen ausgezeichneten Orientierungssinn haben. Schildkröten, Insekten, Langusten – die Liste ist ewig lang. Diese Tiere benutzen das Sonnenlicht, die Luftströmungen, sogar das Magnetfeld der Erde. Und so wissen sie immer genau, wo sie sind und wo sie hinwollen.

Schafe hingegen können das ganz und gar nicht. Ohne diesen doch sehr niedlichen Tieren zu nahe treten zu wollen, aber sie sind ganz schön dumm! Es braucht nicht viel, dann haben sie sich bereits verlaufen. Und wenn sie sich verlaufen, finden sie nicht zurück – sie müssen geholt werden! Wenn sie kein Futter mehr haben, verhungern sie – von selbst finden sie keine frische Weide! Man muss es ihnen zeigen. Und gegen Angriffe, wie z.B. von Wölfen, sind sie ausgesprochen schlecht gerüstet! Sie sind wehrlos, wenn sie niemanden haben, der auf sie aufpasst und sie verteidigt.

Denn ihr wart wie die irrenden Schafe – so schreibt der Apostel Petrus. Bereits der Prophet Jesaja hat diese Worte benutzt, wenn er in Kapitel 53 schreibt: „Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.“

Ihr Lieben, ich möchte euch auch nicht zu nahetreten, aber es ist so: Ihr seid Schafe. Ich bin auch eins. Wir sind alle Schafe. Und es hat gute Gründe, warum dieses Bild in der Bibel immer wieder vorkommt. Warum wir mit Schafen verglichen werden – mit Tieren, die orientierungslos, ahnungslos und hilflos sind. Die dumm sind!

Wenn wir ehrlich sind, werden wir zugeben müssen, dass die Bibel recht hat. Wenn ich auf mein Leben sehe, auf die vielen falschen Entscheidungen, die Feigheit, die Ahnungslosigkeit, die Hilflosigkeit… ja, ich bin geistlich – im Blick auf mein Leben mit Gott – eben genau das, ein Schaf! Ein Schaf, das immer wieder von Gott wegrennt. Was immer wieder „auf seinen eigenen Weg schaut“, wie Jesaja das beschreibt.

Das Problem ist aber, dass wir meinen, dass wir Störche sind. Oder Schildkröten oder Langusten. Wir meinen, dass wir es draufhaben. Das wir wissen, wo es langgeht! Ich bin doch kein dummes Schaf, oder? Ich bin doch ein mündiger Mensch, der selbst bestimmen kann, was für mich gut ist!

Wir denken, dass wir uns nicht verlaufen können. Dass wir uns selbst versorgen können. Dass wir uns selbst verteidigen können…

Vielleicht merken wir gerade in diesen Tagen wieder vom neuen, dass das nicht der Fall ist. Vielleicht merken wir jetzt gerade, dass wir eben doch hilflos sind; dass wir orientierungslos sind, dass wir uns selbst nicht versorgen können. Dass wir eben nicht wissen, wo es langgeht. Dass wir jemanden brauchen, der uns den Weg zeigt.

Die Güte des Herrn! Ihr Lieben, die Güte, die Barmherzigkeit des Herrn ist die, dass er uns in dieser Situation nicht alleine lässt! Sondern, dass er sich unser erbarmt und uns einen Hirten schickt! Gott sieht uns in unserer Hilflosigkeit und er schafft Abhilfe. Er schickt Christus, der von sich sagt (wir haben es soeben gehört**: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“

Wir haben einen Hirten, der alles für uns gegeben hat! Alles. Einen Hirten, der alles für uns tut, damit es uns gut geht. Darum geht es heute, am Sonntag Misericordias Domini – Die Güte des Herrn. Gerade in einer Zeit wie dieser, ist das ein unfassbar großer Trost. Dass wir wissen dürfen, dass unser guter Hirte bei uns ist und zusieht, dass wir in Sicherheit sind.

In dieser Situation bin ich dann doch gerne Schaf und eben kein Storch! In dieser Situation, mit diesem guten Hirten, da weiß ich, dass es nicht auf mich ankommt. Da muss ich nicht die Kontrolle haben, da muss ich nicht alles in der Hand haben. Da muss ich nicht wissen, wo es lang geht. Sondern ich kann mich drauf verlassen, dass ich gut und sicher geführt werde.

10 Ich bin der gute Hirte. […] 27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; 28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29 Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Pastor Roland C. Johannes
April 2020

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