Nachricht vom 10. Mai 2014

Begeisterung über den Klang der neuen Orgel

Am Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti), 27. April 2014 wurde die neue Rudolf-von-Beckerath-Orgel in der Martini-Kirche der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Radevormwald geweiht und offiziell in den kirchenmusikalischen Dienst der Gemeinde gestellt. „Die neue Orgel soll Gott zur Ehre, der Gemeinde zum Trost und zur Freude erklingen“, sagte Ortspfarrer Johannes Dress nach dem Einweihungsgebet und der Widmung. Danach erklangen als erste Stücke das „Quartetto Es-Dur“ von Johann Christoph Kellner (1736-1803) sowie – passend zum Sonntag – der Osterchoral „Christ lag in Todesbanden“ aus dem Orgelbüchlein von Johann Sebastian Bach (1685-1750).

An der Orgel spielten die Gemeindeorganistin Rosemarie Zeitschner und Organistin Annette Busch (beide aus Radevormwald) sowie die SELK-Sprengelkantorin und Orgelsachverständige Antje Ney (Hanstedt/Nordheide).

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“: So beginnt der 98. Psalm, den Pfarrer i.R. Hermann Lutschewitz in seiner Festpredigt auslegte. Er knüpfte dabei an die Orgel an, weil sie den Menschen sehr verwandt sei. Denn beide bräuchten Luft, den Odem, um zu leben beziehungsweise zu klingen. „Wenn wir geistliche Lieder singen oder Musik hören, ist Gott mitten unter uns“, fügte er hinzu.

Nach dem Gottesdienst, den der Kirchenchor und der Posaunenchor der Martini-Gemeinde mitgestalteten, schloss sich eine festliche Orgelmusik an. Wie es den gelingt, aus den 21 Registern mit 1.228 Pfeifen - von denen die längste 2,55 Meter hoch ist im Vergleich zur kleinsten mit 6 Millimetern - eine große stilistische Vielfalt und Klangfülle zu erzeugen, stellte Orgelbaumeister Rolf Miehl von der ausführenden Firma von Beckerath aus Hamburg vor. Antje Ney setzte die Erläuterungen Miehls in Klangbeispiele um, ehe dann alle drei Organistinnen mit einer kleinen Werkauswahl – unter anderem von Johann Pachelbel (1653-1706): Variationen über den Choral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“, von Padre Davide da Bergano (1791-1863): „Pastoral si“ und von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847): „Allegro moderato maestoso“ – die Orgel mit ihren großen Gestaltungsmöglichkeiten gekonnt zu Gehör brachten. „Die Orgel klingt hell und ergreifend, dann mal wieder etwas dunkler und geradezu fesselnd. Das ganze Kirchenschiff scheint von Musik erfüllt zu sein, lässt dem Zuhörer kaum Freiraum zur Ablenkung“, urteilte die Bergische Morgenpost und ergänzte: „Musik vom Feinsten – zarte, filigrane Passagen und auch kräftige Intervalle höchster Musikkreationen – waren das Ergebnis“. Den Abschluss bildete dann der von den 180 Gottesdienstfeiernden gesungene Choral „Nun danket alle Gott“ und das gleichnamige begeisternde Orgelwerk von Sigfrid Karg-Elert (1877-1933).

Im Anschluss an den Weihegottesdienst und die Premiere gab es einen Empfang im Gemeindehaus, bei dem neben Grußworten neun Mitarbeitern der Orgelbaufirma von Beckerath aus Hamburg für ihr Meisterwerk gedankt werden konnte. Auch die Orgelkommission der Gemeinde blickte dankbar auf ihre fast vierjährige Arbeit an diesem Orgelprojekt zurück. Der Bau dieser Orgel, deren Gesamtkosten 320.000,-- EUR beträgt, begann im Juli 2013 in der Hamburger Firma und wurde ab dem 3. März 2014 in der Martini-Kirche eingebaut. Am Gründonnerstag, 17. April konnte die Orgelsachverständige Antje Ney die Orgel offiziell abnehmen, ehe sie dann schon in der Osternacht zum festlichen Gloria mit laudamus erklang.

Wer am Orgelweihetag nicht dabei sein konnte oder wer noch mehr hören möchte, hat im Rahmen des Bergischen Orgelsommers dazu Gelegenheit. Am Sonntag, 11. Mai, gibt es um 17 Uhr in der Martini-Kirche ein Konzert für Orgel und Chor, bei dem mit dem Collegium vocale aus dem Sprengel West der SELK unter der Leitung von Hans-Hermann Buyken (Kamp-Lintfort) unter anderem die Messe in D-Dur von Antonin Dvorak aufgeführt werden soll. An der Orgel: Franz-Rudolf Eles (Köln). Der Pfingstmontag ist mit „Komm, Schöpfer Heiliger Geist“ überschrieben. An der Orgel wird dann Kirchenmusikdirektorin Ruth Forsbach-Backhaus (Remscheid) musizieren.

Orgelweihe durch Pastor Dress
Drei Organisten gleichzeitig an der Orgel
Orgelabnahme